AI Visibility: Warum Sichtbarkeit im KI-Zeitalter neu gedacht werden muss und was das für Unternehmen bedeutet
In den letzten zwei Jahren hat sich still und leise eine Veränderung vollzogen, die tiefgreifender ist als jeder Google-Algorithmus-Shift der letzten 15 Jahre:
Kaufentscheidungen beginnen heute nicht mehr in Suchmaschinen oder auf Websites.
Sie beginnen in KI-Systemen wie ChatGPT, Gemini, Bing Copilot oder Perplexity.
Dort suchen Menschen nicht nach Keywords, sondern nach Antworten.
Und genau diese Antworten bestimmen, welche Anbieter, Lösungen und Produkte überhaupt in Frage kommen – und welche im Auswahlprozess schlicht nicht berücksichtigt werden.
Dieser Wandel betrifft jedes Unternehmen, das neue Kunden gewinnen möchte. Und er verändert grundlegende Fragen:
- Wie kommen Kunden heute zu uns?
- Wie werden wir verglichen?
- Wie entsteht Vertrauen, bevor ein Mensch überhaupt mit uns spricht?
- Warum tauchen wir in vielen dieser digitalen Entscheidungsräume nicht auf?
Dieser Artikel erklärt, warum klassische Sichtbarkeit nicht mehr ausreicht, wie AI Visibility funktioniert und was Unternehmen heute tun sollten, um relevant zu bleiben.
1. Kunden fragen anders und KI beantwortet ihre Fragen
Die neue Customer Journey beginnt nicht mit „Website besuchen“.
Sie beginnt mit Fragen wie:
- „Welche Lösung ist die beste für mein Problem?“
- „Welche Anbieter sind zuverlässig für …?“
- „Welche Alternative gibt es zu Anbieter X?“
Diese Fragen werden heute direkt an KI-Systeme gestellt, weil sie schnelle, strukturierte und unmittelbare Orientierung bieten.
Menschen möchten:
- direkt vergleichen
- Risiken verstehen
- Optionen sortieren
- Empfehlungen erhalten
- Abkürzungen nutzen
- Verzerrungen minimieren
KI bietet genau das: sofortige Orientierung im Entscheidungsraum.
Das bedeutet:
Wenn Ihr Unternehmen in diesem Moment nicht erscheint, wird es in der Auswahl nicht berücksichtigt.
2. Was AI Visibility eigentlich ist (und was nicht)
Früher war die Frage: „Wie werde ich gefunden?“ (SEO)
Heute lautet sie: „Werde ich in Antworten verwendet?“ (AI Visibility)
Das ist ein fundamentaler Unterschied:
| Früher | Heute |
| Keywords | Fragen & Intentionen |
| Ranking | Relevanz im Antwort-Kontext |
| Traffic | Relevanz im Antwort-Kontext |
| Klicks | Vertrauen & Auswahl |
| Website optimieren | Marke & Klarheit optimieren |
AI Visibility ist keine Fortsetzung von SEO.
Es ist ein Perspektivenwechsel: von Suchmaschinen zu Entscheidungsmaschinen.
3. Wie KI entscheidet, welche Informationen verwendet werden
KI-Modelle arbeiten nicht wie Suchmaschinen.
Sie extrahieren und kombinieren Inhalte entlang von drei strategischen Signalen:
3.1. Klarheit (Retrievability)
Kann die KI erkennen, wer Sie sind und wofür Sie stehen?
Dazu gehören:
- präzise Value Proposition
- eindeutige Themenzuordnung
- klare Problemdefinition
- Abgrenzung zu Alternativen
- konsistente Sprache auf Website und LinkedIn
3.2. Handlung und Orientierung (Extractability)
Kann eine KI aus Ihren Inhalten konkrete, verwertbare Aussagen ableiten?
Das hängt ab von:
- klaren, direkt formulierten Antworten
- kurzen, gut strukturierten Absätzen
- präzisen Formulierungen
- klar aufgebautem, nachvollziehbarem Wissen
- expliziten Vergleichen und Abgrenzungen
- Aussagen mit Bedingungen (für wen, wann, warum)
Wenn ein Absatz zwölf Sätze enthält, aber keine eindeutige Kernaussage, wird er von KI-Systemen in der Regel ignoriert. Wenn ein Absatz drei Sätze hat und eine klare, belastbare Aussage trifft, wird er deutlich häufiger genutzt.
3.3. Vertrauen (Authority)
Warum sollte eine KI die Informationen Ihres Unternehmens verwenden?
Wesentliche Elemente sind:
- Qualität und Präzision der Inhalte
- eine klar erkennbare Unternehmensidentität
- nachweisbarer Social Proof
- fachliche Positionierung (Thought Leadership)
- thematische Autorität im jeweiligen Problembereich
- Erwähnungen ausserhalb der eigenen Website
(z. B. LinkedIn, Fachartikel, Branchenportale, Interviews)
KI-Systeme orientieren sich – ähnlich wie Menschen – an Quellen, die klar, kompetent und verlässlich wirken.
4. Was Unternehmen jetzt tun müssen
AI Visibility ist keine technische Optimierung. Es ist eine strategische Führungsentscheidung.
Sie betrifft:
- Positionierung
- Messaging
- Produktkommunikation
- Content
- Social Presence
- Thought Leadership
- Buying Experience
Hier ist, was moderne Unternehmen tun sollten:
4.1. Positionierung schärfen
KI kann nichts extrahieren, was nicht klar formuliert ist.
Unternehmen müssen präziser sagen:
- welchen Schmerz sie lösen
- für wen genau
- was sie anders machen
- wann sie die ideale Wahl sind (und wann nicht)
Positionierung ist: der erste AI-Visibility-Hebel.
4.2. Inhalte so gestalten, dass sie „antwortfähig“ sind
Das bedeutet:
- konkrete Fragen beantworten
- klare Vergleiche ziehen
- Probleme explizit beschreiben
- Use Cases durchdeklinieren
- Ergebnisse konkret benennen
- Aussagen, die KI zitieren kann
Ein Beispiel:
❌ „Unsere Lösung verbessert Prozesse.“
✔️ „Unternehmen nutzen unsere Lösung, um Onboardingzeiten in X um 40 % zu reduzieren.“
4.3 Fachliche Positionierung als Retrieval-Mechanismus
Im Kontext von AI Visibility ist Thought Leadership nicht länger ein „Branding nice-to-have“.
Es erfüllt eine strategische Funktion: KI-Systeme können nur das einordnen, was klar formuliert, fachlich begründet und thematisch eindeutig verankert ist.
Regelmässige, gut strukturierte Inhalte wie:
- Analysen
- klare fachliche Perspektiven
- definierte Modelle oder Frameworks
- Erfahrungsberichte aus realen Projekten
- thematische Tiefe zu einem spezifischen Problemraum
unterstützen, dass Ihr Unternehmen als klar erkennbare und relevante Entität im jeweiligen Themenfeld eingestuft wird.
Kurz gesagt:
Fachliche Positionierung liefert die Signale, die KI benötigt, um Ihr Unternehmen überhaupt als sinnvolle Quelle zu berücksichtigen – und sie hilft gleichzeitig Entscheidungsträgern, Ihre Expertise klar einzuordnen.
4.4. Relevanz ausserhalb der eigenen Website
KI vertraut Inhalten, die im offenen Web vorkommen:
- LinkedIn-Posts
- Fachartikel
- Podcast-Interviews
- Case Studies
- Whitepaper
- Branchenportale
- Nicht wegen „Backlinks“, sondern wegen Reputation.
4.5. Regelmässig prüfen, wie KI Ihr Unternehmen einordnet
Mindestens quartalsweise sollten Unternehmen überprüfen:
- „Was weiss ChatGPT über uns?“
- „Wie beschreibt Perplexity unser Produkt oder unsere Dienstleistung?“
- „Welche Anbieter nennt die KI neben uns – und in welchem Kontext?“
- „Erkennen Modelle unsere Positionierung korrekt und konsistent?“
- „Welche relevanten Fragen beantworten wir bisher noch nicht?“
Das ist kein SEO-Audit. Es ist ein Relevance Audit.
5. Sichtbarkeit ist heute ein strategischer Wettbewerbsvorteil
Unternehmen verschwinden in AI-Antworten nicht, weil sie schlecht sind.
Sondern weil:
- ihre Positionierung zu unklar ist
- ihre Inhalte zu vage sind
- ihre Marke nicht eindeutig genug wirkt
- sie nicht zeigen, wofür sie stehen
- sie keine extrahierbaren Aussagen liefern
- sie keine echte Perspektive einbringen
AI Visibility entscheidet heute darüber:
- ob Ihr Unternehmen überhaupt in Erwägung gezogen wird
- ob Ihre Lösung im Entscheidungsraum erscheint
- ob Ihr Unternehmen als vertrauenswürdig eingestuft wird
- ob potenzielle Kunden Ihr Angebot mit Alternativen vergleichen
- ob Ihr Unternehmen im Entscheidungsprozess berücksichtigt wird
Für moderne Unternehmen bedeutet das nicht: „Wir müssen SEO-technisch besser werden.“
Sondern:
- Wir müssen klarer werden.
- Wir müssen relevanter werden.
- Wir müssen präziser kommunizieren.
- Wir müssen zeigen, wer wir sind und für wen wir die beste Lösung sind.
Und genau das ist die neue Rolle moderner Marketingführung und der Kern dessen, was Sherpa Strategy tut.
